1

Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018

2a

Johannes Listewnik 2018

2b

(...) denn durch [diese Arbeiten] habe ich einiges über Humor in der derzeitigen Kunst gelernt. (...) Ein Versuch dazu: Ein Witz soll reproduzierbar Spaß erzeugen. Spaß, als ein durchweg positives Gefühl. Weil Marcos Arbeiten keine Witze sind, und nicht durchweg positive Gefühle auslösen sollen – sie sind also nicht spaßig – spreche ich betont von Humor. Humor ist eine Grundeinstellung und durch seine Dauerhaftigkeit kein reproduzierbares Element. Seine Erhaltung benötigt Anstrengung. Er ist veränderlich, nicht nur durchgänging

gut

: Er kann böse und traurig sein, kann intelligent oder dumm sein, gewagt oder schüchtern, kann sich Erkenntnissen verschließen oder diese befördern.

3

(...) dass die beiden sich so freundschaftlich gesinnt sind. Oder es könnte sein, dass Christian und Manuel im

Green Exile

die Frage, was ein Bild für sie im Moment gerade ist, gemeinsam stellen und gemeinsam beantworten. Die Antwort als These: Ein Bild ist ein Gegenüber. (...) Vielleicht ist das sogar das beste daran, wenn gemeinsam etwas erarbeitet wird: Dass versucht wird, Fragen und Antworten zu teilen. Jetzt, in dieser Ausstellung, kann geschaut werden, wie treffend die These war, wie gut die Antworten passen, um dann neue Fragen zu finden. Und um so zu entscheiden wie, mit wem, und wohin es weiter geht. Vielleicht ist es woanders grüner, sonniger, und auch erfolgversprechender – Wohin willst du, wohin gehen wir? Was ist ein Bild, Kollegin?



Mehrere Personen sind gemeinsam in einem Atelier. Es riecht so ein bisschen nach Farbe, der Boden jedenfalls ist voll davon. Dann die Frage: Was ist ein Bild für dich, Kollegin? Ist es ein Ort? Eine Haltestelle in einem kontinuierlichem, ständig ungewissen Schaffensprozess? Eine Manifestation von Ergebnissen des spielerischen Experimentierens? Eine Einschreibung von Zeit, die Widerspieglung des Autorinnen–Lebens? Ist es ein Gegenüber? Ein Subjekt? Kollegin, Malerei zu machen bedeutet auch, diese Frage für sich immer wieder neu zu stellen und zu beantworten. Bestenfalls um präziser in der Beantwortung, gewagter in der Fragestellung zu werden. Oder um zu merken, dass die alten Klärungen immer noch gültig scheinen.


4

Johannes Listewnik 2018

5

(...) von übungsbasierten medienpezifischen künstlerischen Disziplinen wie dem Musizieren, Malen oder Bildhauen, wie auch von den gelehrten Improvisation grenzt sich das Kunsten dadurch ab, dass es keine Aktualisierung einer Vorlage und kein Bedienen eines Mediums sein kann, die als Adäquatheitskriterien dienen mögen, sondern sich im Finden im kreativen Prozesses vollendet. (...) Zukunft der Kunst? Wenn die zeitgenössische Kunst tendenziell die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der imperial sich ausdehnende Gegenwart ist, muss ich das Kunsten gegen die kunstindustrielle Affirmation und Tätowierung des Horizontes richten. (...) Beim Kunsten steht letztlich weder die Abschaffung eines Zustandes noch die Konstruktion eines neuen im Zentrum, sondern die Autonomisierung: Der Prozess des sich-selbst-Regel-Gebens, die exemplarisch gelten und verändert werden können, ist ein Prozess zugleich der Selbstüberschreitung und der Individualisierung.



Johannes Listewnik 2018





Zwar sollte Kollegialität von Respekt geprägt und ohne zerstörenden Neid verlaufen, aber das klappt, neben anderen Unanehmlichkeiten, nicht immer. Das ist Okay, denn im Unterschied zu anderen Arten zwischenmenschlicher Beziehungen erfüllt Kollegialität auch im negativen ihre Funktion größtenteils, nämlich die Konstruktion von „kollegialer Wahrheit“. (...) Und um beide Behauptungen nun zusammenzuführen, sage ich, dass ein autonomes künstlerisches Handeln eben unerlässlich ein Gegenüber braucht. Es braucht Kolleginnen, um sich dem Gelingen einer Arbeit versichern zu können. Also: Gelungen oder nicht gelungen. Das ist die Kernfunktion von Kollegialität unter autonom künstlerisch Tätigen.

6

Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018

7a

Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018

7b

Johannes Listewnik 2018

8

(...)

Changer la vie!

Vielleicht war die Parole des Mai '68 doch nur eine Frage der Lektüre. (...) Mit Haut und Haar musste [er] sich dagegen in der Figur des Lesers wiederfinden.

Der Leser ist ein schwärmerischer Autor (...), er hat keinen festen Boden unter den Füßen und schwankt an einem Nicht-Ort zwischen dem, was er erfindet, und dem, was ihn verändert. Mal hat er wie ein Jäger im Wald das Geschriebene vor Augen, kommt vom Weg ab, lacht und landet einen

Coup

, oder er macht als guter Spieler mal einen schlechten Zug. Mal verliert er die fiktiven Sicherheiten der Realität: (...)

Auf dem Wasser liegen.

9a

Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018

9b

Johannes Listewnik 2018

10

Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018

11

In der Nähe ist nichts mehr glatt, alles ist offen, samtig, rau, porig. Die nun vorhandene Menge an Informationen verhindert, dass die Wahrnehmung noch einen Umweg über Einordnung, Vergleich und Reflexion machen kann. Die bewusste Verarbeitung der Wahrnehmung kann nicht mehr stattfinden, es ist nur ein wahrnehmendes Bewusstsein vorhanden. Nähe führt dazu, dass Eindrücke aufgenommen werden – dieser Vorgang gleicht nicht dem Beobachten und auch nicht dem Sehen.

12

Johannes Listewnik 2018 Johannes Listewnik 2018

Bild- und Textquellen

1

Johannes Listewnik: Pour. Acryl und Öl auf Papier und verschiedenen Stoffen, 187×149cm - Ders.: Dire. Acryl und Öl auf Papier und verschiedenen Stoffen, 187×149cm


2a

Ders.: 41 Pieces. Öl auf Papier, 41 Holz- und Linolschnitte, je 62×45cm


2b

Ders.: Pluriball. Marco Stanke im Kunstverein Zirndorf


3

Ders.: Green Exile, Christian Bär und Manuel Schneidewind im Bistro21 - Ders.: Green Exile, Christian Bär und Manuel Schneidewind im Bistro21 (Entwurf)

4

Ders.: Sorge, 17.01.2018. Öl und Acryl auf Papier, 75×200cm


5

Lutger Schwarte: Notate für eine künftige Kunst. Merve, Berlin, 2016. S. 48, 115f. – Ausstellungsmaterial Hartbreaker, Gruppenausstellung Klasse Hartmann in der Akademie Galerie Nürnberg – Johannes Listewnik: Hartbreaker


6

Ders.: Arbeiten Aufstehen, Schach (Auswahl). 19 Risografien, geheftet, Auflage 40, Risotop-Verlag


7a

Ders.: Arbeiten Aufstehen: Sorge56. Öl und Acryl auf Papier und PVC, ca 350×580cm, Foto: Jakub Šimčik - Katalog zur Ausstellung Page/Figure mit Initiative Wort und Bild und der Tippgemeinschaft des Deutschen Literaturinstituts Leipzig


7b

Ausstellungsansicht Will Sohl, Artist Books Reloaded im Port25, Raum für Gegenwartskunst Mannheim, Foto: Toni Montana Studios


8

Phillip Ferrsch: Der lange Sommer der Theorie, Geschichte einer Revolte 1960–1990, Fischer, München, 2015, S. 127ff.


9a

Johannes Listewnik: Arbeiten Aufstehen, Schach Remix (8 Collagen). Verschiedene Materialien auf Papier, je 43×30cm


9b

Ders.: 16Pieces-2. Öl, Acryl, Holzschnitte auf Papier, 150×115cm


10

Ders.: 29.02.2018-M_Rep-1. Öl und Acryl auf Papier auf Leinwand, 130×80cm – Ders.: 29.02.2018-M_Rep-2. Öl und Acryl auf Papier auf Leinwand, 130×80cm


11

Ders.:Unfold/Up Close. Verena Winkelmann in Galerie b2_.


12

Ders.: Arbeiten, Aufstehen: Notizen 23.02.2018-4. Öl und Acryl auf Papier, 135×100cm – Ders.: Arbeiten, Aufstehen: Notizen 23.02.2018-3. Öl und Acryl auf Papier, 135×100cm