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So saß ich am Schreibtisch und dachte nach.

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It appeared that even in Barcelona they were hardly any bullfights nowadays; For some reason all the best matadors were fascists.

Diese komplette theoretische Zirkularität – das jeder einen blinden Fleck hat, jeder ein eigenes Beobachtungsinstrument hat, mit dem er bestimmte Dinge gut sieht, aber nicht sieht, was er nicht sieht, und nicht sieht, dass er nicht sieht, was er nicht sieht… –, dies in die Theorie einzubringen, das ist u.a. mein Interesse.

I managed to take a rather blurry photograph which was stolen from me later.

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Dabei handelte es sich größtenteils um technische Arbeit mit Dingen sowie um repetitive Routinearbeit.

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Es gibt kein menschliches Gehirn, und es kann aus prinzipiellen Gründen keines geben, das bis ins einzelne wüsste, wie es selbst funktioniert, geschweige des eines, das sich bei laufenden Betrieb eine komplette Repräsentation seiner historischen und strukturellen Betriebsbedingungen – im Sinne eines hierjetzt aktuellen, in Totaltransparenz zu sich gekommenen Geistes – gegenwärtig halten könne.

… dass, mein Befinden von (wie ich heute erwacht bin usw.) von öffentlichem Interesse sei? Trotzdem notiere ich es ab und zu und veröffentliche es sogar. Das Tagebuch als Übung im eignen Befinden bei vollem Bewußtsein, was daran irrelevant ist –

Dies ist die kompositorische Singularität des spätmodernen Selbst, die ihm selbst Wert verleiht: „I am large, I contain multitudes.“

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Kurze Pause, abschließend: „Das hat nichts mit gesellschaftlicher Relevanz zu tun.“

Bild- und Textquellen

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Joachim Lottmann: Mai, Juni, Juli. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2003, S. 11


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Johannes Listewnik: Plusmachen, Öl und Acryl auf Papier und Baumwolle, vernäht, 120×200cm


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Ders.: Rework-18-19-7 und Rework 18-19-8. Öl, Acryl und Digitaldruck auf Papier auf Baumwolle und Keilrahmen, Stahlrahmen, 137×102cm


3

George Orwell: Homage to Catalonia. Penguin Press, London, 2013, S. 11 – Niklas Luhmann: Archimedes und wir. Merve, Berlin, 1987, S. 30 – Orwell, S. 17


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Johannes Listewnik: Für Jasmin, Rework (36 Blumenstücke), Öl und Acryl auf Papier auf Baumwolle und Keilrahmen, je 24×35cm


5

Andreas Reckwitz: Gesellschaft der Singularitäten. Suhrkamp, Berlin, 2018, S. 112


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Johannes Listewnik: Am Schreibtisch II, Öl, Acryl, Epoxidharz, Marker, Bleistift, Folie und verschiedene Drucktechniken auf Papier, vernäht und geößt, 87,5×141,5cm


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Atelieransicht Juli 2020 @A&O Kunsthalle mit WIP, Foto: Barbara Proschak; Johannes Listewnik: Blaue Pieces, Verlag Marian Arnd, Leipzig, 2020


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Peter Sloterdijk: Luhmann, Anwalt des Teufels. Von der Erbsünde, dem Egoismus der Systeme und den neuen Ironien. In: Wolfram Burckhardt [Hg.]: Luhmann Lektüren. Kulturverlag Kadamos, Berlin, S. 128 – Max Frisch: Tagebuch 1966–1971, Berlin, 1998, S. 309 – Andreas Reckwitz: Gesellschaft der Singularitäten. Suhrkamp, Berlin, 2018, S. 276


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Rainald Goetz: Hirn. Suhrkamp, Berlin, 2003, S. 39


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Max Brück, Timofej Kratz, Johannes Listewnik: Was ist der Rest. MMS OFFSPACE, Bremen


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Manuel Cornelius, Katarína Dubovská, Jennifer König, Johannes Listewnik, Larissa Mühlrath & Barbara Proschak: WIP_02: LATE BLOOM. Bistro21, Leipzig


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Christoph Wetzel [Hg.]: Belser Stilgeschichte - 3 Bände, Band I – Altertum, Stuttgart 1999


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Johannes Listewnik: Wir hatten alle mal Ideen. In: Johannes Listewnik [Hrsg.]: Das ist der Regen, der Regen regnet. Verlag Marian Arnd, Leipzig, 2020, S. 12